Forschung

Umgedrehter Glücksspieß

20. Juli 2016 0 Kommentare
Laufen Prawny

Die Tricks des Embodiments („Verkörperung“) können uns, heißt es von Fachleuten, happy machen! Zwei haben wir getestet – mit unterschiedlichen Erfolgen.

Die Geschichte dessen, was man heutzutage als Embodiment bezeichnet, reicht weit zurück: Die Premiere dafür war im Jahr 1988 an der Universität Mannheim, als der Sozialpsychologe Fritz Strack ein längst berühmt gewordenes Experiment wagte: Versuchspersonen nahmen einen Bleistift quer so in den Mund, dass sich auf diese Weise ihre Mundwinkel anhoben – mit dem nachgewiesenen Effekt, dass sich mit dem künstlichen Lächeln auch ihre Stimmung verbesserte.

Bekannt ist auch ein anderes Beispiel: Wer in gebeugter Haltung und mit hängendem Kopf daher kommt, sendet damit bekanntlich auch ein klares Signal aus – er fühlt sich alles andere als happy. Die Haltung des Körpers ist also ein Spiegelbild des seelischen Zustands. Allerdings lässt sich der Spieß auch umdrehen: Wer bewusst körperliche Glückszeichen setzt, beeinflusst damit seine Stimmung –wie beim Bleistift-Trick – positiv.

Vor geraumer Zeit konnte das auch ein vom Psychologen Johannes Michalak geleitetes Forschungsteam der Universität Witten-Herdecke eindrucksvoll belegen. 39 Versuchspersonen waren auf einem Laufband sowohl im typischen glücklichen als auch im unglücklichen Gehstil unterwegs. Während dessen bekamen sie positive und negative Botschaften zu hören – um danach das Erinnerungsvermögen zu testen. Was dabei herauskam: Im glücklichen Gehstil erinnerten sich die Testpersonen viel mehr an die positiven Geschichten, waren also deutlich positiver gepolt.

Die Redaktion von glueckszeitung.at hat die genannten Embodiment-Beispiele im Kreise von Kollegen und Freunden getestet und ist zu bemerkenswerten Ergebnissen gekommen:

  • Die positive Haltung – aufrechter, selbstbewusster Gang – hat sich durchwegs als eine Art seelischer Glücksbringer bewährt. Zunächst einmal nur als Notfallsrezept im Stimmungs-Krisenfall, dann aber auch als Präventionsmaßnahme. Gleich mehrere haben geschworen: „Wir bleiben dabei!“ Also ein Volltreffer.
  • Die Sache mit dem Bleistift im Mund hat natürlich, wie sich rasch zeigte, organisatorische Tücken. Bis man ihn aus der Tasche gekramt hat, ist es oft zu spät für diese Art der Ersten Hilfe. Dazu kommt das Problem, dass Menschen, die Bleistifte wie Knochen „apportieren“, von ihrer Umgebung meist nicht mehr richtig ernst genommen werden. Aber eine durchschlagende Erkenntnis gab’s dann doch: Man kann ja die Mundwinkel auch ohne Bleistift hochziehen – und das wirkt wirklich. Bemerkenswerter Weise auch bei Anderen, die solcherart angelächelt werden. Was uns wundert: Warum hat die Süßwarenbranche nicht längst auf diese Marktlücke reagiert und einen Lächelstift mit Fruchtgeschmack herausgebracht?

Wir bleiben am Thema weiter dran.

HR

Grafik:Prawny, pixabay,com

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