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Aufgeregt und unhöflich

24. Juli 2016 0 Kommentare
FOMO
Kennen Sie den Glücksblocker FOMO? Eine neue Studie zeigt, dass dieses Social-Media-Leiden bereits massive Auswirkungen auf die kommunikativen Umgangsformen hat.

Integral, das auf Online-Themen spezialisierte Institut für Markt- und Meinungsforschung, hat sich in einer großen Umfrage mit einem heißen Eisen beschäftigt – mit der zunehmend unter der Smartphone-Abhängigkeit leidenden Gesprächskultur. Man möchte es nicht glauben: Bereits 72 Prozent der Menschen lassen ihre Gesprächspartner links liegen, wenn Nachrichten über SMS, WhatsApp und auf anderen Kanälen eintrudeln und sie reagieren dann auch gleich unmittelbar darauf! In der Altersgruppe der 14 bis 19jährigen tun das schon 92 Prozent, aber selbst bei den Menschen jenseits von 70 können es 37 Prozent nicht lassen, dem Smpartphone Vorrang zu geben. Am wenigsten in derartige Versuchung lässt man sich bei Gesprächen mit Kunden oder Vorgesetzten führen – aber selbst in diesen Fällen sind noch für jeden Fünften die Handybotschaften wichtiger als die Umgangsformen. Was für die Karriere auch nicht wirklich gut sein dürfte!

Nichts versäumen!

Im Hintergrund dieser dramatischen Veränderung der Gesprächskultur steht das Phänomen FOMO (Fear Of Missing Out) – die permanente Angst, wichtige Nachrichten aus der Social-Media-Welt zu versäumen. Und diese Angst ist offenbar bei vielen Leuten schon so groß, dass der befriedigende Griff zum Handy wichtiger ist als die Höflichkeit. Verschiedene Studien schätzen, dass heutzutage schon mehr als die Hälfte der Smartphone-Nutzer in unterschiedlicher Intensität von FOMO betroffen sind. Um FOMO dreht sich inzwischen auch eine Expertendiskussion. Immer öfter ist unter ihnen die Meinung zu hören, dass man es als Krankheit einstufen sollte.

Aus der Glücksperspektive hat FOMO jedenfalls schwer wiegende Folgen, weil es ein permanentes Gefühl der Aufgeregtheit und Unzufriedenheit schafft. Die Betroffenen befinden sich in einem ständigen „Standby-Modus abwartender Aufgeregtheit“, wie Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, zu diesem Thema meint. FOMO hat natürlich auch indirekte Glücksfolgen, weil es einem gedeihlichen Dialog im Wege steht. Und dieser ist bekanntlich die Basis für ein funktionierendes Miteinander.

Auf Kur gehen

Immer öfter sind auch Stimmen zu hören, die FOMO-Opfern dringend raten, zumindest einige Tage lang „auf Kur“ zu gehen. Dafür muss man aber nicht weit fahren – es gilt lediglich, das Smartphone auf keinen Fall dabei zu haben!

Foto: Geralt, pixabay.com

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