Forschung

Herzloser Punkt

18. September 2016 0 Kommentare
punkt
Die Textnachricht ist zum entscheidenden Faktor des kommunikativen Glücks geworden. Kurioser Weise kann es durch ein Satzzeichen getrübt werden – den Punkt.

Wir schreiben auf allen Kanälen drauf los was das Zeug hält und verpacken alles blitzschnell in Buchstaben, was uns nur irgendwie bewegt. Diese Art des zwischenmenschlichen Brückenbaues verträgt vieles, wie etwa holprigen Satzbau oder Rechtschreibfehler. Eines verträgt sie aber offenbar – sagen uns neueste Erkenntnisse – nicht, nämlich den Punkt am Ende des Satzes.

Vor ihm warnen Wissenschaftler der Binghamton University (Fachrichtung Psychologie) in den USA. Sie stützen sich dabei auf ein Experiment mit 126 Studentinnen und Studenten, das klären sollte, welche Rolle nonverbale Aspekte in SMS-Nachrichten spielen. Ein überraschendes Ergebnis: Wer Punkte setzt, macht sich unbeliebt! Bemerkenswert daran: Im handschriftlichen Umgang regte der Punkt überhaupt nicht auf, per SMS aber sehr wohl. Er wurde als herzlos und weniger ehrlich wahrgenommen. Im Gegensatz zum Ausrufezeichen, das mit besonderer Vertrauenswürdigkeit verknüpft worden ist.

Eigenleben

Die Experten haben eine interessante Erklärung dafür. In per Internet transportierten Textnachrichten sei der Punkt nicht mehr, wie einst, einfach die richtige Form, um einen Satz abzuschließen. Speziell dieses finale Satzzeichen hätte, meinen sie, inzwischen ein Eigenleben entwickelt. Celia Klin, verantwortlich für die Studie, glaubt zu wissen, warum. Textnachrichten sind einkanalig, ihnen fehlen die Dimensionen der persönlichen Kommunikation – wie etwa Tonalität, Mimik und Körpersprache. Diese Funktionen würden, so Klin, nun Emoticons, bewusste, kreative Rechtschreibfehler oder eben auch die Interpunktion übernehmen. Und der Punkt ist nun einmal leidenschaftslos, spröde und wirkt irgendwie spießig.

Vor geraumer Zeit haben sich auch Untersuchungen mit der häufig auftauchenden Frage beschäftigt, ob Interpunktionen vor oder nach dem Emoticon gesetzt werden sollten. Die überwiegende Mehrheit tendiert – wie sich zeigte – dazu, Punkt oder Rufzeichen den Vorrang zu geben. Eine der Erklärungen dafür: Hinter dem Emoticon platziert könnte sie zu falschen Interpretationen führen.

AZ

Foto: GZ

 

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