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Ab die Post!

9. Oktober 2016 0 Kommentare
Am 9. Oktober ist der Tag des Weltpostvereins – einer Organisation, die auch für Glückstransporte verschiedenster Art verantwortlich und stark im Umbruch ist.

Das schönste Stück Glück war viele Jahrzehnte lang der – vielleicht sogar auf edlem Papier mit der Füllfeder geschriebene – Liebesbrief. Aber auch die großen Denker dieser Welt haben sich gegenseitig mit geistigen Kunstwerken beglückt, die in die Literaturgeschichte eingegangen sind. All dies ist unter der Regie des 1874 gegründeten Weltpostvereines geschehen. Bis heute wacht er im Sinne der 192 Mitgliedsstaaten über die Regeln des grenzüberschreitenden Postverkehrs.

Kongress

Erst dieser Tage ist in Istanbul (Türkei) der mehrtägige 26. Weltpostkongress zu Ende gegangen, der sich den großen Veränderungen der postalischen Welt stellen wollte. Unter anderem diskutierte man auch jene drei Themen, die in den letzten Jahren für besondere Spannung sorgten: Der rasante Bedeutungsverlust des guten, alten Briefes, der kometenhafte Aufstieg des Paketes durch den boomenden Onlinehandel und ein brisantes Insiderthema – nämlich die kuriose Bevorzugung Chinas beim Paketversand. Europäische Online-Händler zahlen für das Verschicken ihrer Pakete um drei bis vier Mal mehr als ihre Kollegen in China, die damit einen enormen Konkurrenzvorteil haben. Die Erklärung dafür ist höchst eigenartig: China wird vom Weltpostverein als Entwicklungsland eingestuft und hat damit weit bessere Konditionen…

Mit besonderem Wehmut sieht die Branche den langsamen Abgang ihres wohl bedeutendsten Objektes, des Briefes, des so traditionsreichen Elementes der zwischenmenschlichen Verständigung. Er ist gegen (hochgerechnet) 215 Milliarden E-Mails im Jahr 2016 und all die vielen anderen Formen der schnellen Internet-Kommunikation einfach chancenlos und fast ausschließlich nur noch als kommerziell gepoltes Papier im Kuvert unterwegs.

Kulturverlust

Dieser Abschied ist nach Meinung vieler Vordenker der Kommunikationswelt mit einem großen Kulturverlust verbunden. Der Briefträger überbrachte einst Lust, Leid, Literatur und manches mehr im Kuvert. Die elektronischen Botschaften unserer Tage sind – auch wenn Herz und Schmerz im Spiel sind – vom üblichen Tempo ihrer Spezies getrieben – doch einfach nur Nachrichten und nicht mehr.

Als Trost bleibt dem Weltpostverein der Siegeszug des Pakets, der ihm und seinen Mitglieder stattliche Umsatzzuwächse und den Adressaten auch immer wieder viel Glück in textiler, technischer oder anderer Form an die Haustüre liefert. Allerdings zum Unglück des stationären Handels, der damit immer mehr unter die Räder kommt.

HR

Foto: falco, pixabay.com

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