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Stadt oder Land?

31. Oktober 2016 0 Kommentare
Jüngst war Welttag der Städte. Damit steht ein brisantes Thema zur Diskussion: Alle wollen hin – aber richtig glücklich machen sie die Menschen nicht!

Es ist eines der heißesten Eisen unserer Zeit. Man kann es aus zwei Blickwinkeln sehen: Auf der einen Seite gibt es das dramatische Problem der Landflucht und auf der anderen Seite stehen die Ziele dieser Bewegung – die Ballungsräume auf dieser Welt. Sie wachsen und wachsen und sie haben meist ihre liebe Not, den gewaltigen Zuzug auch mit ausreichendem Wohnraum und geeigneter Infrastruktur zu bewältigen. Man schätzt, dass bis zum Jahr 2050 wahrscheinlich etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung in dort leben – und oft auch eine enorme Enge schaffen werden.

Obwohl es für Milliarden von Menschen das Ziel ihrer Träume ist, muss man festhalten, dass das Leben in der Stadt für gar nicht so wenige alles andere als ein Glücksfaktor ist. Städter leiden viel mehr unter Stress und sind auch weit öfter psychisch krank. Offenbar macht den davon Betroffenen genau das zu schaffen, was andere im urbanen Umfeld besonders schätzen – die Anonymität in der Masse wird als bedrückende Einsamkeit erlebt.

Lebenszufriedenheit

Im ländlichen Raum hingegen geht, so belegen allerlei Studien, deutlich mehr Lebenszufriedenheit um. Dort ist das, was Experten „Sozialkapital“ nennen, in weit größerem Ausmaß vorhanden. Es gibt funktionierende Nachbarschaft, im Notfall große Hilfsbereitschaft, anregendes Vereins- und Kulturleben und natürlich auch eine gesunde Dosis an entspannendem Grün rundherum. Aber all das nützt jenen nur wenig, die am Land keine Arbeitsplätze finden, die ihrer Qualifikation entsprechen. Bildungskarrieren haben sie in Zugzwang gebracht. In besonderer Weise sind junge Frauen davon betroffen.

Meist zieht es aus den genannten Gründen junge Familien in die Stadt. Was macht sie in der Stadt glücklich? Das wollte eine Rheingold-Studie im Auftrag der Deutschen Reihenhaus AG erkunden. Es zeigte sich, dass auch kritische Faktoren des Stadtlebens gesehen werden – etwa das hohe Verkehrsaufkommen und der Parkplatzmangel (je 67 Prozent der Befragten) und die Kriminalität (48 Prozent). Doch die Argumente für ein Familienglück in der Stadt sind für die Befragten klar stärker: Die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung (80 Prozent), Angebote, die der Paarbeziehung dienen (60 Prozent), die Lebendigkeit der Stadt (56 Prozent) und die Anregungen, die von einer Stadt ausgehen (54 Prozent) wurden in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt.

Fakten

Dazu kommen, wie Studienautoren es nennen, auch wichtige „harte Fakten“. So etwa die Nähe zum Arbeitsplatz (für 40 Prozent der Befragten), die gute Erreichbarkeit von Geschäften und Supermärkten (42 Prozent), kurze Wege für die Kinder zu Schule und Kindergarten (46 Prozent) und die gute Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel (52 Prozent).

Ein bemerkenswertes Detail aus der Umfrage: Wichtig für viele ist als Status- und Identifikationssymbol das Autokennzeichen der Stadt. Man deklariert sich also gerne als Teil der urbanen Gesellschaft.

AZ

Foto: visciousspeed, pixabay.com

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