Forschung

Vorsicht, Lügen-Dynamik!

10. November 2016 0 Kommentare
Die Lüge. Sie ist auch ein billiger Trick, um Menschen glücklich zu machen und um Wahlen zu gewinnen. Eine Studie macht nachdenklich.

 Das Thema hat aktuelle Brisanz: Der dieser Tage gewählte, neue Präsident der USA, Donald Trump, hat es bekanntlich in seinem Wahlkampf mit der Wahrheit alles andere als ernst genommen. Das Medien-Projekt politifact.com kürte ihn bereits 2015 zum „Lügner des Jahres“ und die angesehene Frankfurter Allgemeine bezeichnete ihn jüngst als den „ungekrönten Lügenkönig des Wahlkampfes“.

Geheimwaffe

Die Wahlergebnisse zeigen uns, dass ihm das ganz und gar nicht geschadet hat. Im Gegenteil, es war so etwas wie seine Geheimwaffe. Trump hat den Lügen-Wahlkampf allerdings nicht selbst erfunden, er ist rund um den Globus in Mode gekommen und hat zuletzt auch beim „Brexit“-Votum eine Schlüsselrolle gespielt. Sogar einen Fachbegriff gibt es mittlerweile dafür, die Rede ist von „Post-truth Politics“ – eine Strategie, bei der jedes Mittel recht ist, das Emotionen schüren kann.

Die Lüge ist aber auch lange schon ein Thema mit starkem Glücksbezug. So sind beispielsweise freundliche Unwahrheiten ein beliebtes und sehr einfaches Mittel, um Mitmenschen auf Wolke sieben schweben zu lassen. Oft ist in diesem Zusammenhang von der „sozialen Lüge“ die Rede und tatsächlich dient es nicht selten dem gedeihlichen Miteinander, wenn man dem Gegenüber nicht immer gleich die unangenehme Wahrheit auf den Kopf wirft. Vornehm ausgedrückt heißt das dann Diplomatie.

Nun weiß man ein wenig mehr über sie, die Lüge und vor allem wie wir Menschen mit ihr umgehen. Ein von Neil Garrett geleitetes Forscherteam des University College London schaffte das mit Hilfe einer ganzen Reihe von Experimenten mit insgesamt 80 Freiwilligen.

Schlechtes Gewissen

Zunächst einmal zeigte sich dabei, dass am häufigsten aus blankem Eigennutzen gemogelt wird. Dann merkten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Blicks ins Gehirn über Funktionelle Magnetresonanztomografie, dass sich bei den meisten unmittelbar nach der Lüge schlechtes Gewissen regte. Doch die alarmierende Überraschung war Erkenntnis Nummer drei: Je öfter die Testpersonen Unwahrheiten sagten, desto weniger war ihnen das unangenehm – mit der Konsequenz, dass die Dynamik des Lügens stark zunahm. Die Forscher zeigten sich entsetzt darüber, wie schnell aus kleinen Unehrlichkeiten durch Gewohnheitseffekte groß angelegter Betrug werden kann.

HR

Foto: geralt, pixabay.com

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