Kunterbunt

Mit Stricken beglücken

1. Dezember 2016 0 Kommentare
Es ist an langen Winterabenden besonders schön, liegt total im Trend, besiegt den Stress und macht so richtig glücklich – das Stricken.

In historischen Dimensionen gedacht ist die Herstellung von Maschen mit Hilfe von Fäden und Nadeln eine relativ junge Kunst. Gestricktes, das sich vor allem als ausgezeichneter Schutz gegen Kälte bewährte, tauchte erstmals im Hochmittelalter auf Gemälden auf. Hinweise auf ein eigenes Gewerbe dieser Art in Paris gibt es aus dem Jahr 1268. Berühmt wurde in den folgenden Jahrhunderten die so genannte Gilde der Pariser Stricker. In Deutschland dauerte alles ein weniger länger, im Jahr 1600 sind erstmals die Nürnberger Hosen- und Strumpfstricker auf Urkunden verewigt. Und gar nicht so lange ist es her, dass Stricken nur noch von Maschinen erledigt und handwerklich allein als Revier der Großmütter gesehen worden ist.

Mittlerweile erlebt es eine gleich mehrdimensionale Renaissance: Stricken liegt modisch total im Trend, gilt als hervorragende Entspannungsmethode, bewährt sich als vielseitige Therapie, dient als wärmender Liebesbeweis und macht die Künstlerinnen mit der Nadel immens stolz und zufrieden. Wenn nach langer Arbeit ein Strickstück fertiggestellt ist, sprudeln die Glückshormone nur so.

Die Monotonie

Im Sog der aufkeimenden Begeisterung hat sich immer wieder auch die Wissenschaft dieses reizvollen Themas angenommen und eine ganze Reihe von höchst positiven Effekten festgestellt. Besonders bekannt sind die Forschungsergebnisse von Herbert Benson von der renommierten Harvard Medical School in Boston, Massachusetts (USA). Er konnte nachweisen, dass Stricken gut helfen kann, Bluthochdruck und Stress zu bändigen. Das Nadelschwingen mit den monotonen Klappergeräuschen beruhigt und lenkt von so manchen Tücken des Lebens ab. Beispielsweise auch von Schmerz.

Ewig schade, dass sich Stricken fast ausschließlich als weibliche Kunst etabliert hat. Gerade den überwiegend männlichen Top-Managern mit ihrer so hohen Stressgefährdung könnte zwischendurch am Schreibtisch das Arbeiten an Socke, Haube oder Pullover äußerst hilfreich sein. Aber sie trauen sich bislang noch nicht drüber. Einige Gefängnisse allerdings schon. Dort ist man draufgekommen, dass sich Strickprojekte mit männlichen Häftlingen als Aggressionsbremse bewähren.

RC

Foto: Nayent, pixabay.com

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