Kunterbunt

Hut ab!

26. Dezember 2016 0 Kommentare
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Der Hut hatte in seiner Geschichte viel mit dem Glück der Freiheit zu tun. Manches davon ist für ihn aber schließlich zum Unglück geworden.

 Wir tragen ihn heute, um ganz einfach unsere Köpfe zu wärmen oder auch vor zu viel Sonne zu schützen. Oder wir wollen einen modischen Akzent setzen, Persönlichkeit zeigen, wie es oft heißt. Dabei wissen die meisten nicht, dass er eine aufregende Vergangenheit hat – der Hut. Im antiken Ägypten durften ihn nur Götter, Herrscher und herausragende Gelehrte tragen. Im Römischen Reich war er ein Freiheitssymbol – verbunden mit der Tatsache, dass freigelassene Sklaven ihn zum Zeichen ihres neuen Glücks erhielten. Und der Gründer der Türkischen Republik, Mustafa Kemal, bei uns bekannter als „Atatürk“, schrieb seinen Landsleuten im Jahr 1925 gar vor, den damals modernen Hut statt traditioneller Kopfbedeckungen zu tragen.

Genau um diese Zeit lag man auch in unseren Breiten – wie Bilder von damals eindrucksvoll belegen – geradezu im Hut-Fieber. Kein Mann von Format wagte sich ohne ihn auf die Straße und die Frauenwelt begeisterte sich für atemberaubende Exemplare, die mehr Kopfkunst als Kopfbedeckung waren. Das war Höhepunkt einer Entwicklung, in der Hüte oft vorwiegend Botschaft waren – sie signalisierten die Zugehörigkeit zur Society, zu einer Berufsgruppe oder auch einer politischen Bewegung. Wie auch immer – die Hutmacher erlebten glückliche Zeiten.

Befreiter Lebensstil

Die waren zunächst von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges unterbrochen und konnten sich auch danach nur über eine kurze Phase der Renaissance freuen. Denn im Jahr 1961 verzichtete zum Entsetzen der Branche John F. Kennedy als erster US-Präsident beim Amtseid auf den Hut – was als Zeichen eines neuen, von Zwängen befreiten Lebensstils betrachtet worden ist. Und als Glück der fortschrittlichen männlichen Barhäuptigkeit – das allerdings die mit schütterem Haarwuchs nicht so ganz begeistert gesehen haben.

Dann legte auch noch die weltweite Verbreitung der US-Baseball-Kappe eines drauf, die auch denen sportlich-lässigen Schutz gewährte, die mangels ausreichender Frisur eher wieder zur Unfreiheit tendierten. Die Kappe mit dem weit ausladenden Schirm hat bis heute als Zeichen ewiger Jugend selbst bei reiferen Semestern die Stellung gehalten. Das könnte möglicher Weise auch ein Impuls dafür gewesen sein, dass die junge Generation beider Geschlechter jetzt schön langsam wieder den Hut entdeckt. Sie fühlt sich zum „Trilby“ mit der auffallend schmalen Krempe hingezogen und trägt ihn cool eher am Hinterhaupt. Wahrscheinlich, weil sie auch das wieder als beglückende Befreiung sieht. Immer wieder bringt sie uns irgendwie der Hut…

AZ

Foto: ArtsBee, pixabay.com

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