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Die Weltspitze des Glücks

30. Dezember 2016 0 Kommentare
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Glueckszeitung.at war auf Erkundungsfahrt im Glücksland Mexiko und brachte vielerlei interessante Erkenntnisse nach Hause. Vor allem aber die, dass die Großfamilie offenbar ein Glücksturbo ist.

Die Estados Unidos Mexicanos (Vereinigten Mexikanischen Staaten) mit ihren gewaltigen 123 Millionen Einwohnern sind ein Land der zum Teil krassen Gegensätze. Bitterer Armut steht immenser Reichtum gegenüber, für den als Beispiel etwa Carlos Slim steht. Er gilt als reichster Mann der Welt und spielt auch in Österreich, mit einem Mehrheitsanteil von 51 Prozent an der Telekom Austria, eine wichtige wirtschaftliche Rolle. International sorgt man einerseits permanent für Horrormeldungen von den Drogenfronten und hat sich andererseits auch als Glücksland einen Namen gemacht.

Der geht vor allem auf eine Langzeitauswertung des berühmten „World Values Survey“ zurück, der seit Jahrzehnten weltweit die Befindlichkeiten der Menschen erforscht. Dabei erwies sich Mexiko – trotz aller Widrigkeiten – als wahre Festung der Happiness. Mit 61 Prozent an Menschen, die sich dort „sehr glücklich“ fühlen, liegt man klar an der Weltspitze und lässt Wohlstandsländer wie etwa Deutschland (dürftige 22 Prozent) ziemlich traurig aussehen.

Glücksrezepte

Das   hat mittlerweile dazu geführt, dass Glücksforscher aus aller Herren Länder das mexikanische Leben unter die Lupe nehmen, um solcherart Glücksrezepte zu entdecken, die sich auch in andere Gesellschaften transferieren lassen. Auch in Mexiko selbst ist durch so viel Aufsehen großes Interesse an diesem Thema entstanden. Einer, der es erforscht, ist Gonzalo Enríquez Soltero, Professor am Standort Leon der in internationalen Rankings stets höchst erfolgreichen Universität ENES UNAM, nebenbei auch bekannter Autor im Land und eine typisch mexikanische Frohnatur. Deshalb hört man ihm auch bei internationalen Kongressen immer wieder besonders gerne zu. Die wichtigste Botschaft, die er verkündet: „Die Familie spielt in unserem Land insgesamt eine sehr wichtige Rolle, sie gibt Geborgenheit, Halt und Orientierung – und nicht zuletzt damit auch Glück!“ Und er verweist darauf, dass Glücksgefühle meist Maß an der Situation anderer Menschen nehmen – speziell in den ländlichen Regionen Mexikos kann deshalb so etwas wie Neid tatsächlich kaum aufkommen. Man ist zufrieden mit dem, was man hat. Nicht zuletzt gibt es auch im Land, so Gonzalo Enríquez Soltero, die Begabung, Raum für alltägliche Freuden zu schaffen.

Ein Beispiel dafür hat glueckszeitung.at in Querétaro gesehen, jener Stadt, in der Erzherzog Maximilian von Österreich, der kurze Zeit Kaiser von Mexiko war, im Jahr1867 zum Tode verurteilt und hingerichtet worden ist. Dort kann zu abendlicher Stunde am Hauptplatz zu passender Musik getanzt werden – kostenfrei versteht sich. Menschen aller Altersgruppen schweben dort beglückt über den Steinboden.

Glueckszeitung.at hat zwölf Glücksfaktoren entdeckt, mit Sicherheit gibt es aber noch viele mehr. Hier die Ergebnisse unserer Recherchen:

  1. Die meist sehr große Familie, der ebenfalls oft große Freundeskreis sind – so Glücksforscher Gonzalo Enríquez Soltero – das prägende Element im Leben der Menschen. So rückt beispielsweise zu einem kleinen Badeausflug am Wochenende im Regelfall gleich die ganze Sippschaft an.
  2. Sehr viele Mexikanerinnen und Mexikaner haben ein fröhliches Naturell, das dazu beiträgt, dass aus unterschiedlichsten Anlässen sehr leicht eine Fiesta entstehen kann. Diese zahllosen großen und kleinen Feste scheinen das Salz in der Suppe des mexikanischen Alltags zu sein. Das Dabeisein wird gerne groß inszeniert, ein pompöses Kleidungsstück dafür darf ruhig ein halbes bis ganzes Monatsgehalt kosten.
  3. Die allgemeine Fröhlichkeit schreckt auch vor dem Tod nicht zurück. Das berühmte Fest der Totentage, das voller Farben und Fröhlichkeit ist, lässt selbst auf den Friedhöfen Fiesta-Stimmung entstehen.
  4. In fast allen Lebenslagen geht Gelassenheit um. Für Leute mit der in Europa dominierenden Vollgas-Mentalität ist das oft ziemlich gewöhnungsbedürftig. In den zahllosen Warteschlangen tut sich meist wenig bis gar nichts und offensichtlich stört das auch niemanden.
  5. Bei der Arbeit dominiert eine Stressfreiheit, die häufig auch um Effizienz einen Bogen macht. Der durchschnittliche Werktag dauert zwar zwölf Stunden und mehr, die werden aber mit nicht wenigen Pausen garniert. Vom Thema Burnout hört man vielleicht auch deshalb deutlich weniger als in unseren Breiten.
  6. Perfektionismus ist weitgehend unbekannt. Man nimmt die Dinge ganz einfach so wie sie sind und sieht Unebenheiten als Wink des Schicksals.
  7. Das Leben ist herzerfrischend bunt. Man gehe in Geschäfte, auf Märkte, bestaune Häuser, Plakatflächen und Dekorationen aller Art. Da wird an allen Ecken und Enden auch optisch höchst gekonnt Lebensfreude geweckt.
  8. Die technischen und sonstigen materiellen Versuchungen der Gegenwart spielen vor allem in ländlichen Gegenden, die noch außer Reichweite der modernen Konsumverführungen liegen, eine untergeordnete Rolle. Man kann kaum neidisch zum Nachbarn schielen und erreicht so Zufriedenheit auf einem aus unserer Sicht sehr niedrigen Wohlstandsniveau.
  9. Über 90 Prozent der Mexikaner sind sehr gläubige Katholiken, vertrauen ihrer berühmten schwarzen Madonna und finden in schwierigen Lebenslagen für sie stabilen Halt in der Religion.
  10. Die Mexikaner sind von großem Nationalstolz getragen und blicken selbstbewusst auf grandiose Naturschönheiten und eine faszinierende Kulturgeschichte. Was jährlich Millionen an Touristen anlockt zeigt auch innere Wirkung.
  11. Das Land Mexiko ist bekanntlich ein Feinschmecker-Paradies, man findet seine köstlichen Speisen in Tausenden Restaurants rund um die Welt. Die Begeisterung für den Wohlgeschmack hat sich allerdings in den letzten beiden Jahrzehnten auch gefährlich in Richtung Junkfood und Übergewicht bewegt.
  12. In Mexiko wird das Leben – wohl auch wegen erheblichen Körpergewichts – extrem gemütlich angelegt, das Land gilt als eine der internationalen Hochburgen des akuten Bewegungsmangels. Das animiert die Politik zu ungewöhnlichen Ideen: In Mexiko City kann man sich bei Metro-Stationen an Fitnessgeräten ein Ticket gratis erschwitzen.

Noch ein abschließender Tipp: Es zahlt sich auf jeden Fall aus, all das persönlich zu erleben. Dabei sollte man allerdings einen Bogen um jene Bundesstaaten machen, in denen die Drogenkriege geführt werden. Damit bleibt aber immer noch sehr viel, das man bestaunen kann. Und auch deutliche Entschleunigung.

BC

Zu unseren Foto: Dieses Wandgemälde zeigt sehr gut, wie die Mexikaner ihre eigene Stimmungslage einschätzen.

 

 

 

 

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