Kunterbunt

Mit Ach und Krach

3. März 2017 0 Kommentare
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SERIE TEIL 3: Lärm ist – sagen Experten – das größte Umweltproblem unserer Zeit. Er bedroht unsere Gesundheit, aber auch die so wichtige zwischenmenschliche Verständigung

Heute ist der Welttag des Zuhörens – es geht um die so schwierig gewordenen Rahmenbedingungen für unsere Ohren! Die Lärmintensität nahm in Europa im letzten halben Jahrhundert um das 30fache zu. In Europa lebt fast jeder Sechste mit einer durch Verkehrslärm bewirkten übermäßigen Geräuschintensität – das sind rund 80 Millionen Menschen. Für sie gilt unter anderem erhöhtes Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen. Was den Krach so besonders gefährlich macht: Geräusche werden vom Gehirn als Gefahrensignale gewertet. Stress entsteht, der Adrenalin- und Noradrenalinspiegel schnellt in die Höhe – was eine ganze Reihe negativer Folgen für die Gesundheit bewirkt.

Doch das ist nur die eine Seite des Themas Lärm. Vieles davon machen – speziell die jüngeren – Menschen heute selbst, indem sie ihre Ohren massiv beschallen. Mit Lautsprechern, Ohrhörern, dröhnenden Motoren und vielem mehr sorgen sie für ein Zukunftsdilemma: Wahrscheinlich wird, so prophezeien Fachleute, ein Großteil der jungen Menschen von heute bereits zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr ein Hörgerät brauchen. Ganz abgesehen davon, haben erschreckend viele junge Leute heute schon Hörschäden.

Bei Lärm handelt es sich um ein in vielerlei Hinsicht auch eigenartiges Phänomen. Er hat zwar messbare Dimensionen, aber nirgendwo steht geschrieben, ab welcher Größenordnung das negative Prädikat Lärm verliehen wird. Die Physik hat in dieser sensiblen Frage nichts zu bestellen, sie fällt ganz und gar in den Zuständigkeitsbereich der Psychologie. Die Definition Lärm entsteht nämlich als bewertender Begriff ausschließlich in den Köpfen. Ein einfaches Beispiel: Wenn die netten Nachbarn einmal Krach machen, ist das halb so schlimm. Auch auf Geschmäcker kommt es an: Wer volkstümliche Musik mag, wird die Schallwellen vom Sommerfest nebenan erträglich finden. Freunde klassischer Musik werden das hingegen eindeutig als Lärm definieren. Dazu kommt, dass auch Lebensumstände wie Krankheit, Müdigkeit, Stress, etc. die Empfindlichkeit für Schall aller Art stark erhöhen.

Noch ein abschließender Tipp: Eine wirklich angenehmen Gesprächsatmosphäre braucht akustische Verhältnisse, die nicht über 40 Dezibel liegen. Wer das mit einer der vielen Smartphone-Apps (etwa Decibel Ultra) checken will, wird draufkommen, dass es leider nur wenige Lokale gibt, die akustisch diesen Kriterien entsprechen.

Ende der Serie.

AZ/ Foto: GZ

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