Kunterbunt

Glück mit Tiefe

12. März 2017 0 Kommentare
Serie Teil 3: US-Wissenschaftler fanden heraus, dass Tiefe und Qualität von Gesprächen wichtige Glücksrollen spielen. Der Stoff solcher Dialoge sind meist aufregende Geschichten.

 Welch enorm wichtige Rolle gute und tiefgehende zwischenmenschliche Konversation spielt, konnten Psychologen der University of Arizona wissenschaftlich belegen. Sie untersuchten, was die Dialoge von Personen, die sich als „glücklich“ bezeichnen, von jenen unterscheidet, die meinen „unglücklich“ zu sein und fanden dabei heraus, dass die Glücklichen erstens mehr Zeit mit anderen Menschen verbringen und zweitens auch viel mehr Gespräche führen. Interessante Ergebnisse brachte auch die Analyse der Unterhaltungen: Die Glücklichsten unter den Befragten führten doppelt so tief gehende Gespräche als die Unglücklichsten. „Glücklich ist man im Leben eher dann, wenn man soziale Kontakte pflegt und in den Konversationen an die Substanz geht“, so fasste das Forscherteam um Matthias R. Mehl zusammen.

Wobei auch klar ist, dass wenig so sehr in die inhaltliche Tiefe führt wie der Austausch von Storys, weil diese gerne dafür verwendet werden, um am konkreten Beispiel Meinungen und Befindlichkeiten zu transportieren. Sie sind auf diese Weise hilfreich für partnerschaftliche, freundschaftliche und kollegiale Standpunktbestimmungen und für die Synchronisation von Meinungen.

Man könnte meinen, dass noch nie so heftig soziale Kontakte gepflegt worden sind wie heute. Man quatscht rund um die Uhr am Handy, verschickt zusätzlich auf der elektronischen Plauderbox noch Kurznachrichten (SMS), schreibt sich mit E-Mails die Finger wund und tut vieles mehr, um die Welt über die eigenen Befindlichkeiten möglichst rasch am Laufenden zu halten. Damit werden zweifellos alle Rekorde der Quantität gebrochen, aber die offenbar für das Glück so wichtige Tiefe geht verloren. Der Mensch kommuniziert heftig, aber oberflächlich – und vor allem mit einem drastischen Verlust an informativer Bandbreite. Ein Phänomen, das man als Kanalreduktion bezeichnet.

Bescheidene zehn bis 20 Prozent der Botschaften in einem persönlichen Gespräch werden auf dem verbalen Kanal, also mit dem Inhalt von Worten gesendet. Die überwiegende Mehrheit, nämlich 80 bis 90 Prozent, laufen über andere Kanäle. Sie kommen durch Körpersprache (Mimik, Gestik, Haltung) und Tonfall über die Rampe. Mimik hat den mit Abstand größten Stellenwert in der Kommunikation. Also kann glückbringende zwischenmenschliche Kommunikation nur von Angesicht zu Angesicht. Richtig funktionieren.

Bernd Chibici, Autor des Buches „Die Macht der Story“

Nächste und letzte Folge: Die Lust an der Entdeckung

Foto: OpenClipart-Vectors, pixabay.com

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