Kunterbunt

Lust an der Entdeckung

13. März 2017 0 Kommentare
Serie Teil 4: Spannende Storys können im Gehirn den chemischen Botenstoff Dopamin zum Sprudeln bringen. Er befeuert mit Glücksgefühlen die menschliche Lust am Entdecken.

 Das Konzept ist genial: Ein raffiniertes Motivationssystem belohnt Verhaltensmuster, die sich in der Evolutionsgeschichte des Menschen als sinnvoll und wichtig erwiesen haben. Es geht dabei um den Fortpflanzungstrieb, den Gemeinschaftssinn und – aus der Story-Perspektive besonders bedeutsam – die Entdeckerfreude. Letztere schürt jene Neugier, die stets wesentlicher Teil der aufregenden Entwicklung des Homo sapiens gewesen ist, der vor etwa 160.000 Jahren die Weltbühne betreten haben dürfte.

Als Belohnung für Erkenntnisbeute jeglicher Art bekam wohl auch schon er schon das beglückende Dopamin verabreicht, einen von zahlreichen so genannten Neurotransmittern, die die Verständigung der Neuronen untereinander ermöglichen. Dopamin ist ungemein vielseitig. Es gibt die Befehle des Nervensystems an die Muskulatur weiter, stärkt die Fähigkeit der Wahrnehmung und – sicherlich seine wichtigste Aufgabe – beschert uns ganz gezielt die Gefühle von Glück, Zufriedenheit und Zuversicht. Unterstützung bekommt es dabei von ähnlich wirkenden Stoffen der Signalübermittlung wie Serotonin und Endorphinen.

Diese Glücksgefühle waren so etwas wie ein Turbo der Evolution, der allerdings erst so richtig auf Touren gekommen sein dürfte, als der Mensch – wahrscheinlich vor mehr als 100.000 Jahren – lernte, mit dem Geschenk der Sprache umzugehen. Sie öffnete der Menschheit auch die Tore zu einer weiteren Errungenschaft: Mit dem Erzählen von Storys wurde ein großartiges Medium gefunden, das allerdings stets von der dopamingetriebenen Lust an der Entdeckung abhängig war. Sie sorgte für aufmerksames Zuhören. Durch beides schaffte man es plötzlich, Erfahrung, Wissen, Glauben und vielerlei Anderes rasch zu vervielfältigen und auch gut über die Grenzen der Zeit zu bringen. So ist das soziale Gefüge um vieles komplexer und tragfähiger geworden – und das Medienzeitalter hat begonnen.

Ende der Serie

Bernd Chibici, Autor des Buches „Die Macht der Story“

 

Foto:   geralt, pixabay.com

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