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Glücksvögel-Vorsaison

10. Mai 2017 0 Kommentare
Kraniche Georg Wietschorke
Glückstripp an die Ostsee – Teil 2. Die Küstengebiete in Mecklenburg-Vorpommern gelten als Kranich-Paradies. Die Glücksvögel werden dort mehr und mehr zur Attraktion.

Einmal im Jahr machen sie Schlagzeilen und sind eine große Publikumsattraktion: Ab Ende September beginnen sich in der Boddenlandschaft Vorpommerns in Deutschland Zehntausende Tiere aus ganz Westeuropa zu sammeln und futtern sich dort mehrere Tage lang jene Kraft an, die sie für den Weiterflug in die Überwinterungsgebiete in Frankreich, Spanien und Ländern Nordafrikas brauchen. Das ist mit einem einzigartigen Spektakel verbunden. In mächtigen Formationen fliegen sie Futterplätze an oder kehren sie zu ihren Nachtplätzen in flachen Gewässern zurück, wo sie in riesigen Scharen eng nebeneinander stehend schlafen. Nur dort fühlen sie sich vor Raubtieren sicher.

Das – nur aus der Ferne mögliche – Beobachten der scheuen Riesenvögel (sie sind mit bis zu 1,20 Meter Höhe und einer Flügelspannweite von etwa 2,20 Meter die größten ihrer Art in Europa) ist im Herbst ein Besuchermagnet. Vor allem „Kranichfahrten“ per Boot sind heiß begehrt.

Mittlerweile hat sich allerdings die Kranich-Saison erheblich verlängert. Das liegt einerseits daran, dass rund 7000 Brutpaare in der Region zu Hause sind und andererseits, dass im Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf das ganze Jahr über viel Spannendes über die Glücksvögel zu erfahren ist.

Die Tiere in der Zeit ihrer aktiven Elternschaft zu entdecken, ist allerdings eine große Herausforderung. Wenn sie gemeinsam mit dem Nachwuchs auf Nahrungssuche unterwegs sind, ist bei ihnen nämlich allergrößte Vorsicht angesagt. Vor allem die Kleinen kriegt man kaum zu Gesicht, Mama und Papa Kranich achten sehr darauf, dass sie im hohen Gras praktisch unsichtbar sind. Bisweilen kann man allerdings aus der Ferne ihre ersten Flugversuche bewundern, die unglaublicher Weise schon ab der zehnten Lebenswoche beginnen. Aber gerade diese raren Entdeckungen machen die Vorsaison des herbstlichen Megaspektakels ebenfalls sehr reizvoll.

FACTS

  • Kraniche – sie lebten bereits vor dem Menschen auf der Erde – gelten als Inbegriff für Glück, Freiheit aber auch Treue, weil sie ein Leben lang ihrem Partner verbunden bleiben.
  • In Japan faltet man Papier-Kraniche als Glücksvögel, in China sieht man sie als göttliche Himmelsboten und Indien werden sie sogar als Götter verehrt.
  • Kraniche können hoch über uns im Nonstop-Flug 2000 Kilometer fliegen – mit Reisegeschwindigkeiten zwischen 45 und 65 Stundenkilometern. Auf Grund ihrer Größe bleiben sie auch dann gut sicht-, vor allem aber wegen ihres lauten Trompetens auch hörbar.
  • Kraniche machen auf dem Weg in ihre Winterquartiere aber dennoch gerne Pausen, die durchaus einige Tage dauern können.
  • Es gibt weltweit 15 unterschiedliche Kranich-Arten

Heimo Revna

Foto oben: Georg Wietschorke, pixabay.com

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Hier die mächtige Spannweite eines Kranichs gut sichtbar im Informationszentrum Groß Mohrdorf. Foto: GZ

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