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Das Rätsel Vineta

11. Mai 2017 0 Kommentare
Barther Bodden
Glückstripp an die Ostsee – Teil 3. Die versunkene Stadt Vineta fasziniert seit Jahrhunderten Schatzsucher und Wissenschaftler. Sie hat in Barth eine Heimat gefunden. Die richtige?

Barth ist eine hübsche, mittelalterliche Kleinstadt, die im Wandel vom schiffahrtsaffinen Industriestandort der ehemaligen DDR zur reizvollen Feriendestination schon weit fortgeschritten ist. Dabei hat ihr viel gelungene Renovierungsarbeit in den letzten Jahren, ein bezauberndes Umland und vor allem die clevere Inszenierung als Vineta-Stadt geholfen. Man geht ins Vineta-Museum, schläft in der Vineta-Pension, isst im Vineta-Bistro und sucht in aufregenden Phantasiensein Urlaubsglück.

Vineta ist das Atlantis der Ostsee. Es soll sich um die reichste, aufregendste und größte Stadt Europas gehandelt haben, die wahrscheinlich durch eine Naturkatastrophe irgendwann im elften oder zwölften Jahrhundert untergegangen ist. Man nimmt an, dass damals ein hoch entwickeltes Deichsystem mit verheerenden Folgen geborsten ist. Wie Überlieferungen und Sagen behaupten, war Vineta sehr mächtig, soll förmlich in Reichtum und Glück gebadet haben und letztlich für seine Dekadenz mit dem Untergang bestraft worden sein. Rätselhaft ist die Tatsache, dass diese so besondere Stadt nach dem Jahr 1170 in keinerlei heute bekannten Schriften mehr genannt wird.

Bis zum Sommer 1997 meinte man den ungefähren Standort von Vineta zu kennen – und zwar bei der Stadt Wollin auf der polnischen Oderinsel gleichen Namens. Ein Jahrtausend-Hochwasser im genannten Jahr ließ plötzlich alles ganz anders werden. Satellitenbilder von der Katastrophe zeichneten ein Bild von den geographischen Verhältnissen der Vergangenheit und schufen für zwei Berliner Wissenschaftler – den

Frühgeschichtler Klaus Goldmann und den Sprachforscher Günter Wermusch – eine völlig neue Wirklichkeit. Sie sind seither felsenfest davon überzeugt, dass Vineta im berühmten Barther Bodden untergegangen ist. Seither ist Barth ganz auf dem Vineta-Tripp. Und seither kommen Scharen von Touristen und sehen vor allem das silbrige Glänzen des Boddenwassers im Sonnenlicht als klares Indiz dafür, dass sich Vineta ganz sicher hier irgendwo tief im Schlamm versteckt hält.

Man darf bezweifeln, dass Vineta – bisweilen Jumne, Iumne, Uimne genannt – jemals entdeckt werden kann. Aber zur Goldgrube ist es längst auch so geworden.

Bild oben: Barther Bodden – ist hier Vineta versunken?

Bild unten: Das Vineta-Museum in Barth.   Fotos: GZ

Vineta-Museum

 

Heimo Revna

Foto: GZ

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