Lokal

Exklusiv im Interview: Die Glücksministerin

16. Juni 2017 0 Kommentare
GINA SCHOELER  c MarcoSchoeler_1
Die Top-Ten-Storys aus einem Jahr glueckszeitung.at. Platz zehn: Das Interview mit Gina Schöler, der Deutschen Glücksministerin – die nie gewählt wurde und zu keiner politischen Partei gehört. 

glueckszeitung.at: Sie sind die wohl ungewöhnlichste Ministerin Europas und in dieser Rolle absolut akzeptiert. Wie ging das?

Gina Schöler: Diese Idee ist 2012 in Form eines Semesterprojekts an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim entwickelt worden. Damals hieß es, Deutschland sucht den Glücksminister. Und irgendwann meinte plötzlich jemand, hören wir doch auf ihn zu suchen – Gina du bist es doch.

glueckszeitung.at: Und die hohe Politik hat das einfach so hingenommen?

Gina Schöler: Erfreulicher Weise ja, es gab nicht den geringsten Ärger. Die Reaktionen waren durchwegs entspannt bis positiv. Dazu hat wohl in erster Linie beigetragen, dass es ja darum ging, etwas Positives zu bewirken.

glueckszeitung.at: Jetzt sind sie aber schon sehr lange Ministerin, die Idee ist weit über das Hochschul-Projekt hinausgewachsen.

Gina Schöler: Ich habe nach dem Ende meines Studiums beschlossen, die Sache weiterzuführen, weil das Thema so ungemein wichtig ist. Und mit Workshops und Vorträgen, die ich halte, ist eine Schiene entstanden, die das alles auch gut tragen kann.

glueckszeitung.at: Wie reagieren die Menschen, wenn sie so ganz ohne großes Getöse einer Ministerin gegenüberstehen?

Gina Schöler: Diese besondere Rolle ist ein sehr guter Einstieg, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Es strahlt einerseits Seriosität aus und bietet auch viele Möglichkeiten mit einer spielerischen, kreativen Seite.

glueckszeitung.at: Welchen Einfluss hatte es auf Ihre Persönlichkeit, plötzlich als Ministerin aufzutreten?

Gina Schöler: Für mich war das immer ein laufender Prozess, ich konnte in die Rolle hineinwachsen. Ich selbst sehe das ja – wie alle anderen Menschen auch – mit einem Augenzwinkern. Mir hat das auch die tolle Chance gegeben, mich beruflich selbst zu erfinden. Und Selbsterfindung ist ein ganz feines Ding.

glueckszeitung.at: Es heißt immer, Glück sei ansteckend. Lebt die Glücksministerin daher sozusagen im Dauerglück?

Gina Schöler: Das Projekt hat mich natürlich stark verändert. Ich war zwar immer schon ein positiver Mensch, habe das aber selbst nie so richtig wahrgenommen. Durch die Arbeit mit dem Thema Glück lernt man auch in eigener Sache ganz anders hinzuschauen. Ich nehme mittlerweile vieles stärker wahr und bin auch dankbar dafür.

glueckszeitung.at: Wie geht es weiter mit dem Ministerium für Glück und Wohlbefinden?

Gina Schöler: Ich habe gelernt, dass sich in dieser Aufgabe nur wenig planen lässt. So hat mich im Vorjahr plötzlich ganz überraschend Heiko Maas, der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, angerufen und eingeladen, Bürgerdialoge zu führen. Und wenig später war dann eine Delegation aus Thailand da – und so geht es hoffentlich auch weiter. Eines habe ich aber doch geplant: Ab September gibt es mein erstes Buch.

glueckszeitung.at: Und wenn es plötzlich die Einladung gäbe, echte Ministerin zu werden?

Gina Schöler: Wie ich so mitgekriegt habe, ist das nicht unbedingt ein Job, um den man sich reißen muss. Da bleibe ich lieber unechte Glücksministerin! 

BC

FOTO: Marco Schoeler

INFOS:

Die Idee entwickelte ein kleines Team an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim im Fach „Transmediale, integrierte Kommunikation“, das sich der Aufgabe von Prof. Axel Kolaschnik stellte, eine Kampagne zu kreieren, die die Wertehaltung innerhalb unserer Gesellschaft verändert.

Das dabei entstandene Ministerium für Glück und Wohlbefinden bezeichnet sich als „interaktives Kunstprojekt und provozierende Metapher einer multimedialen Kommunikationskampagne, welche die Themen Glück und Lebensfreude spielerisch, humorvoll und kreativ ins Gespräch bringen und zum Umdenken und Mitmachen motivieren“ will.

 

Das könnte dir auch gefallen...

Kommentieren