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STORY DES JAHRES

25. Juni 2017 2 Kommentare
Die Top-Ten-Storys aus einem Jahr glueckszeitung.at. PLATZ EINS: Evelyn Pammer über schwebenden Frühstückskaffee, eine singende Kirchenglocke und andere beglückende Eindrücke am Gardasee.

Das „dolce far niente“ bekommt ein Gesicht, wenn die Italienerinnen unterm Mandarinenbaum sitzen und sich angeregt unterhalten. Ich muss lächeln, als ich ihnen am Ufer des wunderbaren Gardasees dabei zusehe. Worüber sie sich wohl unterhalten? Wie es sich wohl aufs Lebensglück und damit auf die Lebensdauer auswirkt, wenn man sein ganzes Leben an so unbeschreiblich schönen Orten verbringen darf? Mit Sicherheit nicht schlecht, denkt man an die erst vor wenigen Tagen mit 117 Jahren verstorbene älteste Frau der Welt – eine Italienerin!

Fleißig wie ich bin, habe ich zur Karwoche passend an der Verlängerung meines Lebens gearbeitet und einige Tage am italienischen Gardasee verbracht. Die Klassiker wie Sirmione, Malcesine & Co. sind natürlich sehr nett und nicht ohne Grund überall erwähnt, doch so richtig richtig begeistert haben mich ganz andere Orte.

Da ist zum Beispiel unser Hotel „Miralago“ in Pieve di Tremosine mit Zimmerbalkon und Restaurant 400 Meter über dem Abgrund – tatsächlich über dem Abgrund! Der Frühstückskaffee wird quasi schwebend verabreicht. Aber schon beim Aufwachen beginnt das besondere Erlebnis dieses Dörfchens: Um 8.00 Uhr morgens schlägt die einen Steinwurf entfernte Kirchturmglocke nicht einfach nur, nein, sie singt förmlich. Eine liebliche Melodie ertönt, durchaus in Variationen über die kommenden Tage. So viel angenehmer als ein nervtötender Wecker! Wenn sich die müden Äuglein dann langsam öffnen, erblicken sie noch vom Bett aus den mystisch im morgendlichen Dunst liegenden Gardasee, das Monte Baldo Massiv auf der gegenüberliegenden Seeseite, die Sonne langsam freigebend.

Wer geheimnisvolle Orte mag, sollte sich Punta San Vigilio, eine kleine Landzunge mit einer Handvoll an Gebäuden, nicht entgehen lassen. Ganz besonders magisch ist die Szenerie, da es, kaum angekommen, zu gewittern beginnt, ein heftiger Regenguss geht nieder – schon fast unheimlich wird es, als wir bei der Weiterfahrt in den nächsten Ort merken, dass die Straße staubtrocken ist. Natürlich wirkt es, und doch ist alles wohlüberlegt angeordnet. Der Humanist Agostino di Brenzone hat die Landzunge 1540 erworben und sich einen Ort geschaffen, an den er sich mit anderen Schriftstellern und Künstlern zurückziehen konnte, um in Schönheit, Einsamkeit und gelehrter Diskussion zu leben. Liest man Brenzones Diskurs über den schönsten Ort der Welt bloß, denkt man sich: abgehobener, überheblicher Möchtegern-Dichter. Steht man inmitten des Kleinods, denkt man sich: Recht hat er. „Ich möchte, dass Eure Exzellenz zur Kenntnis nehmen, dass San Vigilio der schönste Ort der Welt ist, und zwar auf folgende Weise: Die ganze Welt besteht aus drei Teilen: Afrika, Asien und Europa. Der schönste Erdteil ist Europa, und davon ist Italien der schönste Teil, von Italien wiederum die Lombardei, und von dieser der Gardasee, und an diesem San Vigilio. Ergo ist San Vigilio der schönste Ort der Welt.

Mindestens so verzaubernd, aber etwas mühsamer zu erobern ist die Wallfahrtskirche und Eremitage Montecastello mit spektakulären Ausblicken 700 Meter über dem See. Vom Kirchenparkplatz dem Schildchen Richtung Kreuz folgend, durch die Hausunterführung durch, kommt man auf einen schmalen Pfad im Wald. Schon bald ergeben sich Möglichkeiten, rechterhand noch ein paar Meter höher zu klettern, wo sich der Himmel auftut und man die Wallfahrtskirche aus der Vogelperspektive sehen kann. Wahrhaftig ein Paradies zwischen Himmel und Erde!

 

Pammer am Gardasee

Unsere glueckszeitung.at-Redakteurin Evelyn Pammer zeigte Mut am Gardasee. Wir gratulieren ihr herzlich zu PLATZ EINS im Ranking der TOP-TEN-Storys aus einem Jahr glueckszeitung.at.

Fotos: Evelyn Pammer

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2 Kommentare

Unabhängiger 22. April 2017 at 0:23

So sieht Lust auf Reisen, liebevolle Erkundung der Welten und schließlich ein Stück Glück aus. Gratuliere zum Erlebnis und Beitrag.

Reply
Evelyn 22. April 2017 at 17:22

Vielen lieben Dank! 🙂

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