Forschung

Die Stimme verrät mehr

3. November 2017 0 Kommentare
Konzentriertes Zuhören lässt in die Tiefe der Gefühle blicken.
Ergebnisse eines großen Forschungsprojektes des Yale University (USA) können als Revolution in der Kommunikationswissenschaft gesehen werden: Die Stimme verrät mehr als die menschliche Mimik!

Der Sozialpsychologe Michael W. Kraus von der Yale University versetzte jüngst die Fachwelt mit Erkenntnissen einer im „American Psychologist“ veröffentlichten Studie in Staunen. In insgesamt fünf breit angelegten Experimenten zeigte sich, wie der Wissenschaftler betont, dass reine Sprachkommunikation am tiefsten in die Gefühlswelt des Gegenübers blicken lässt. Die Stimme verrät mehr – das ist auch aus der Sicht der Glücksforschung wichtig, die der Qualität sozialer Beziehungen und damit auch der Art wie diese ablaufen, größtes Gewicht geben.

Bislang waren die Experten in der Welt der Kommunikation vorwiegend davon überzeugt, dass die meisten Gefühlsbotschaften über die Mimik – die weltweite Sprache der menschlichen Gesichter vermittelt werden. Dem gesprochenen Wort, den Inhalten also, maß man eine eher geringe Bedeutung zu – der Art des Vortrages (Tonfall, Lautstärke, Sprechtempo etc.) schon deutlich mehr. Sie wurden immer wieder in die Nähe jener so genannten Körpersprache gerückt, der man stets die größte Wirkung zubilligte. Und dazu zählen neben der Mimik beispielsweise auch Gestik und Haltung.

Konzentriertes Zuhören

Michael W. Kraus kam jedoch zur Überzeugung, dass sich Menschen in Sachen Mimik, Gestik und Haltung oft gut verstellen können. Das sei bei der Stimme, so Kraus, nur schwer möglich. Also zeichnet sie ein besonders verlässliches Bild von den Gefühlen des Sprechers. Somit wäre, so der Psychologe, klar, dass all die die Gefühle des Gegenübers am besten erkennen können, die ausschließlich zuhören – am besten voll konzentriert mit geschlossenen Augen.

Diese neue Sicht der Dinge hat auch dadurch größte Bedeutung, dass rein stimmliche Mitteilungen heutzutage durch die Handy-Verständigung klares Übergewicht gegenüber der mehrkanaligen Face-To-Face-Variante haben. Bislang war man überzeugt davon, dass die Qualität des kommunikativen Austausches auf dem Handy an Schmalspurigkeit – also konkret dem Fehlen der Körpersprache – leide. Wenn man einander auf dem Smartphone sehr gut zuhört, kann man offenbar auch weit in die Tiefen der Gefühle vordringen. Wohlgemerkt – wenn man genau zuhört. Doch wer tut das noch?

BC

Foto: GZ

http://www.apa.org/pubs/journals/releases/amp-amp0000147.pdf

Das könnte dir auch gefallen...

Kommentieren