Lokal

Kaffeeglück

3. April 2018 0 Kommentare
Unsere Autorin Evelyn Pammer berichtet aus Italien:  Sie stand im Land des gediegenen Ein-Euro-Espressos beglückt an der Bar. Espresso auf Ex, und rein in den Tag. Ciao da Milano!

Wie schön, dass ich jetzt nicht ins Büro muss, sondern gemütlich durch Mailand strawanzen kann. Schon frühlingshaft warm, an die 15 Grad, während es daheim noch bzw. wieder schneit. Ich genieße die wärmenden Sonnenstrahlen, wechsle mehrmals die Gehsteigseite vom Schatten in die Sonne und lasse die Architektur auf mich wirken. Besonders freue ich mich heute noch auf Leonardo da Vincis Original: Das Letzte Abendmahl. Aber davor steht natürlich noch der berühmte Mailänder Dom am Programm. Faszinierend und beeindruckend, immer wieder! Zum ersten Mal sehe ich die Front „unverhüllt“, meist ist das gute Stück ja „in Arbeit“. Ein Mailänder erzählt, dass er stets schmunzeln muss, wenn die Spanier von ihrer unvollendeten Sagrada Família und der langen Bauzeit schwärmen oder klagen, je nachdem. Der nette Mailänder meint darauf nur lächelnd: „They are absolute beginners!“ Während die Spanier „erst“ im 136. Baujahr sind, hat man am Mailänder Dom offiziell knappe 580 Jahre gebaut!

Ach, ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich diesen Cappuccino in der sanften Frühlingssonne mit Blick auf den Dom grad genieße! Sonne + Kaffee + Reisen = mein Siebter Himmel! Während ich hier so sitze, die feschen Italiener beobachte und Kaffee aus meinem Pappbecher schlürfe, kommt mir dieser Pappbecher so unpassend und gleichzeitig so passend vor – bin ich doch in bester pappbecherschlürfender Gesellschaft. Hipster und Bobo reihen sich ein in die Warteschlange um ein Heißgetränk aus dem Pappbecher. Im schattigen Café nebenan gäbe es durchaus noch freie Plätze, Kaffee aus Porzellangeschirr und Service an den Tisch. Aber nein, wir stellen uns an, Selbstbedienung, warten, Pappbecher – und zahlen unterm Strich auch noch mehr dafür. Wir Menschlein sind schon oft schräg und unlogisch… ICH hab natürlich einen guten Grund, warum ich das mache: Ich muss in die Sonne!

Meine Barista-Freunde (Sorry Guys!) mit ihren neuen, soeben erstandenen Juras verdrehen wiederholt die Augen und schütteln entsetzt den Kopf, wenn ich ihnen erzähle, dass mir der gute, alte Filterkaffee immer noch der liebste ist. Am Hof meiner Oma, wo wir Geschwister viel Zeit verbracht haben, wäre alles andere undenkbar gewesen, und ist es eigentlich bis heute. Ganz früher war das nicht einmal eine Kaffeemaschine, einfach nur ein Kaffeefilteraufsatz und am Ofen erhitztes Wasser draufgegossen. Großer Vorteil: kein Strom nötig. Es musste viel Kaffee und auf einmal sein, zu damaligen Zeiten die schnellste, praktikabelste und günstigste Variante.

Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, wie sich die Szene mit einer „What else?“-Kapsel-Maschine abgespielt hätte: „Oma, heute ein Ristretto oder doch lieber ein Lungo?“ Abgesehen vom Unverständnis über so viel Schnickschnack um ein simples Häferl Kaffee hätte sie sich vermutlich spätestens beim Eintunken ihres Brotscherzels geärgert – das Brotstück fünf Mal so groß wie das Espresso-Tässchen! Was für ein Unsinn! Statt kapselportioniertem schwarzem Ristretto und orangem Lungo waren vielmehr zwei Blechboxen Tatsache: Malzkaffee in der einen Box zum Strecken des besseren, teureren Kaffeepulvers in der anderen. Auf den Malzkaffee habe ich schnell und liebend gern verzichtet, aber die Filterkaffeemaschine begleitet mich bis zum heutigen Tag. Was Sentimentalität ausmacht!

Foto: Ahundt, pixabay.com

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